Welttag des Industriedesigns 2017

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5 Fragen an Andreas Schulze Industrial Design

VITRONIC arbeitet seit vielen Jahren mit dem Industrie-Designer Andreas Schulze zusammen. Zunächst in VITRONIC’s Heimatstadt Wiesbaden ansässig, arbeitet er heute mit seinem Team in Limburg an der Lahn und beschäftigt sich seit 1994 mit der Entwicklung hochwertiger technischer Produkte – vom Heizkessel über Farbspritzgeräte bis hin zur Hochleistungs-Zeilenkamera. Aber auch eine von ihm designte Zahnbürste ist ein Beispiel von ausgezeichneter Funktionalität mit angemessener ästhetischer Wirkung, denn die Beziehung zwischen Mensch und Produkt stehen für Andreas Schulze immer im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Zum Welttag des Industriedesigns am 29.06.2017 hat VITRONIC fünf Fragen an den Industrie-Designer.

Wie sieht ein typischer Tag im Leben eines Industriedesigners aus?

Das Schöne für mich als selbständiger Industriedesigner: So einen ganz typischen Tag gibt es nach meinem Empfinden gar nicht. Je nach Projekt und Auftraggeber hat man mit unterschiedlichen Personen, Prozessen und Strukturen zu tun. Je nach Projektphase haben wir Tage die der Analyse, der Ideenentwicklung oder der 3D-Konstruktion gewidmet sind. Entsprechend unterschiedlich ist die mentale Herangehensweise, sind unsere Arbeitsmittel, ist die Projektkommunikation. Abwechslung ist bei uns der Standard!

VIRO WSI – Ideenentwicklung und Modellbau
VIRO WSI – Ideenentwicklung und Modellbau

Wie kann man Industriedesign zur Stärkung der Marke nutzen?

VICAM 3S – vom Styropormodel zur High-end Zeilenkamera
VICAM 3S – vom Styropormodel zur High-end Zeilenkamera

Ein einzelnes, gut gestaltetes Produkt kann für ein Unternehmen schon erhebliches Potenzial entfalten und zum Wachstum beitragen. Industriedesign als Prozess wirkt aber im Unternehmen auf vielschichtige Weise und wird deshalb auch oft strategisch eingesetzt. Bei VITRONIC haben wir früh mit Produktdesign für die unterschiedlichen Geschäftsfelder begonnen und waren dabei von Beginn an bestrebt, ein authentisches, wiedererkennbares Bild der Marke VITRONIC zu transportieren.

Inzwischen hat sich VITRONIC als Unternehmen und als Marke stark entwickelt und das Design ist mit allen seinen Sparten wichtiger Faktor um einen kohärenten Eindruck der Marke zu vermitteln.

Wie lange dauert ein Designprozess von der ersten Idee bis zur Serienfertigung und was muss alles berücksichtigt werden?

Vom weißen Blatt zur Projektskizze - der Enforcement Trailer

Der Designprozess von der Idee bis zur Serienfertigung folgt zwar typischerweise stets der gleichen Systematik. Allerdings sind unsere Auftraggeber und Projekte doch meist so unterschiedlich, dass sich das nicht pauschal sagen lässt.

Typischerweise beginnt unsere Arbeit mit einer Analyse, die uns ermöglicht die Rahmenbedingungen des Projektes zu erfassen und ein erstes Verständnis davon aufzubauen. Für uns Designer hat die Perspektive der Nutzer stets Priorität. Daraus ergeben sich zum Thema Funktionalität und Benutzung manchmal recht überraschende Schlussfolgerungen für alle Projektbeteiligten.

Wichtigster Abschnitt unserer Arbeit ist generell die Phase, die bei uns "Designkonzept" heißt. Das ist ein Kreativprozess, bei dem wir in Abstimmung mit dem Auftraggeber über mehrere Schleifen Ideen entwickeln und diese zu geeigneten Konzeptvorschlägen verdichten. Am Ende steht die Auswahl des Designkonzeptes mit den Merkmalen, die besonders geeignet scheinen.

Im nachfolgenden Entwurfsprozess werden mögliche Varianten entwickelt und Details zum ausgewählten Konzept ausgearbeitet. In dieser Phase wird alles bereits für die Serienfertigung ausgelegt. Bei unseren Projekten steht dann meist ein seriennaher Prototyp am Ende. Damit sind also Werkstoffe und Fertigungsverfahren weitgehend geklärt, es gibt 3D Daten, die Farbgebung und Produktgrafik sind zu 90% festgelegt.

In der Realisierungsphase arbeiten wir dann mit unserem Auftraggeber und den ausgewählten Lieferanten daran, das Design so genau wie möglich im Serienprodukt umzusetzen. Dafür beschäftigen wir uns beispielsweise mit der Farbabmusterung, dem Aufbringen der Produktgrafik, dem Glanzgrad der Oberflächen und ähnlichem.

Funktion oder Form/Design? Oder beides?

Für mich ist Industriedesign die gelungene (angemessene) Einheit von Form und Funktion. Als ich in den 80iger Jahren mein Studium in Essen absolviert habe, verwendeten wir den Begriff "Styling" abwertend für eine Art der Formgestaltung, die sich in übertriebener Weise dem formalen Ausdruck eines Produktes widmet und die Funktionalität vernachlässigt. Gleichzeitig gab es mit "Memphis" damals eine starke Bewegung, um einer rein rationalen Designauffassung etwas Fantasievolles, Verrücktes und Zweckfreies entgegenzusetzen.

Sie arbeiten schon viele Jahre mit VITRONIC zusammen – was macht für Sie die Zusammenarbeit aus?

Um mit Stichworten zu antworten: Vertrauen, Wertschätzung, Effizienz.

Als Industriedesigner kommen wir häufig mit neuen und ungewöhnlichen Ideen zu unseren Auftraggebern, deshalb ist Vertrauen so ein wichtiger Faktor für die Zusammenarbeit. Dieses Vertrauen ist über einen langen Zeitraum stetig gewachsen und wir finden bei VITRONIC eine entsprechende Wertschätzung für unsere Arbeit. Gleichzeitig können wir mit den gewonnenen Erfahrungen und dem angesprochenen Vertrauen dahinter Besonderes erreichen und entsprechend effizient agieren.

Wir danken Herrn Schulze für das interessante Gespräch zum Tag des Industriedesigns und freuen uns auf die kommenden Projekte!