Pressemitteilung Verkehrstechnik

03.08.2018

Von der Verkehrsüberwachung zur Smart City

Systeme zur Geschwindigkeitsmessung können mehr leisten

Smart-City-Konzepte werden durch die Verbindung unterschiedlicher Technologien und Infrastrukturen erst richtig lebendig. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie Verkehrsüberwachungsinfrastruktur in Zukunft dazu beitragen kann, smarte Mobilität und den schonenden Umgang mit Ressourcen zu gewährleisten.

Diskussionen rund um die Smart City gewinnen zunehmend an Relevanz.  Im Bereich der Anwendungen scheint der Phantasie keine Grenze gesetzt zu sein: Wir sprechen über Drohnen zur Auslieferung von Paketen, Mülltonnen mit Füllstandsensor, intelligente Energienetze und E-Government-Anwendungen, die uns beispielsweise erlauben, den neuen Personalausweis per Smartphone zu beantragen. Im Kern geht es jedoch vor allem um die Lösung von sehr realen Problemen. Seit vielen Jahren findet nämlich in den Städten eine Verdichtung des Lebensraums statt, der mit einer Verknappung von Ressourcen einhergeht. Bis zum Jahr 2030 wird demnach mit 5,2 Milliarden rund eine Milliarde Menschen mehr in Städten leben als heute. Der Anteil der Stadtbewohner soll dann bei 60 Prozent der Weltbevölkerung liegen. Das sind 5 Prozent mehr als aktuell und etwa 379.000.000 Menschen zusätzlich. Diese Menschen verbrauchen immer mehr Ressourcen – unter anderem Luft – auf vergleichsweise kleinem Raum. Umso wichtiger wird es sein, die vorhandene Luft reinzuhalten. Es geht nun darum zu klären, in welchen Bereichen Handlungsbedarf mit Priorität besteht und wie entsprechende smarte Konzepte zur Problemlösung via Technologie realisierbar sind. Sicher ist, dass die Optimierung des Verkehrs in den Städten wichtig ist und Systeme zur Verkehrsüberwachung bereits heute mehr beitragen können als manch einer denkt. VITRONIC gestaltet diesen Bereich aktiv mit.

Ein Schlagwort – zahlreiche Themen

Zu den Themen-Clustern im Bereich der Smart City gehören unter anderem

  • Smart Economy (Wirtschaft)
  • Smart People (Bevölkerung)
  • Smart Governance (Verwaltung)
  • Smart Living (Leben)
  • Smart Mobility (Mobilität) und
  • Smart Environment (Umwelt).

Da die Smart City einen riesigen Wachstumsmarkt für Unternehmen darstellt  wundert es nicht, dass das Thema Smart Economy die Keimzelle aller Bemühungen und erster Lieferant für Anwendungsbeispiele ist. Die Technologisierung des privaten Umfelds und der Spieltrieb des Menschen mit allen Facetten von Consumer Electronic und Smart-Home-Anwendungen sorgt für einen wechselseitigen Austausch zwischen Arbeits- und Privatumfeld und liefert Ideen. Hierzu gehört auch eine Erwartungshaltung der Menschen, wie technologisch fortschrittlich ihre Lebensumgebung zu sein hat. Die Digitalisierung der Wirtschaft ist ebenfalls schon stark fortgeschritten. Begriffe wie Big Data, Industrie 4.0 und das Internet der Dinge weisen mit ihren Anwendungen den Weg hin zur vernetzten und digitalisierten Stadt. Dies betrifft natürlich auch die Bereiche der Mobilität innerhalb der Stadt sowie das Thema Umwelt als wichtiger Bestandteil der Lebensqualität.

Smart Mobility und Verkehrsinfrastruktur

Betrachtet man das Thema Smart Mobility so ist die Verbindung zu Verkehrsüberwachungstechnologie recht einfach zu ziehen. Es geht darum, den ohnehin schon engen Raum, vor allem in Innenstädten, effizienter zu nutzen und eine bessere Lebensumwelt zu schaffen. Die Verteilung des Verkehrsaufkommens kommt in diesem Fall auch der Umwelt zugute. Bereits heute sorgen stationäre, semi-stationäre und mobile Systeme zur Geschwindigkeitsmessung für die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit. Hierbei geht es in erster Linie darum, Lösungen zur Bildverarbeitung für die Verbesserung der Verkehrssicherheit und damit zur Erhöhung der Lebensqualität in einer Stadt einzusetzen. Jedoch können Systeme wie die Geräte der POLISCAN-Familie nicht nur überhöhte Geschwindigkeit messen, Fahrzeugklassen definieren, Rotlichtverstöße erfassen und die korrekte Nutzung von Fahrspuren gewährleisten. Mit ihrer Hilfe werden auch zusätzliche Informationen im Hinblick auf die Gestaltung des Verkehrsflusses erhoben.

So können Fahrzeuge bei Staubildung direkt umgeleitet, bevor sie in diesen einfahren. In der Vergangenheit  wurde der Verkehr händisch gezählt. Ein Mitarbeiter der Verwaltung machte für jedes Fahrzeug einen Strich auf einem standardisierten Formular, das später in die Akte geheftet wurde. Heute kann dies digital geschehen. Die Daten werden in Echtzeit erfasst und direkt an die Verwaltung übertragen. Am Verwaltungs-PC werden die Daten gesichtet und an die Fachabteilungen in statistischer Form weitergeleitet. Perspektivisch können nicht nur Verwaltungsmitarbeiter die Daten abrufen und auswerten, sondern auch andere Anspruchsgruppen, die sich für die Daten interessiert, weil sie beispielsweise ansprechende Visualisierungen für Online-Medien erzeugen möchten,  eine neue Verkehrs-App entwickeln, oder Lieferrouten optimieren. Systeme zur Verkehrsüberwachung können den Verkehrsfluss auf unterschiedlichen Fahrspuren und in unterschiedlichen Fahrtrichtungen erfassen. Ein Anwendungsfall wäre in diesem Zusammenhang die Verbindung zu anderen Verkehrsleitsystemen, die beispielsweise Stauentwicklungen kommunizieren und direkt alternative Routen bereitstellen. Hierzu macht beispielsweise der Einsatz einer Mobilitäts-App Sinn, die dem Nutzer die Verkehrsinformation per Push-Benachrichtigung zur Verfügung stellt.

 

Smart Environment – ein Forschungsprojekt

Nachhaltigkeit und die Reduzierung der Umweltbelastung ist auch der Fokus des Clusters „Smart Environment“. Die Basis vieler Aktivitäten um diese Begrifflichkeiten herum bilden dabei die Sustainable Development Goals (SDGs) der UN-Mitgliedsstaaten. Die SDGs sollen bis 2030 dazu beitragen, nachhaltige Entwicklung in wirtschaftlichen, sozialen und in ökologischen Aspekten zu fördern. In Deutschland findet man in diesem Sinne Aktivitäten, die unter dem Begriff „Zukunftsstadt“ laufen. In diesem Zusammenhang wurde Darmstadt als „digitale Modellstadt“ ausgewählt. Ziele, die mit den SDG-Aktivitäten erreicht werden sollen, sind unter anderem:

  • eine ressourcenoptimierte Gestaltung der urbanen Infrastruktursysteme
  • nachhaltige Mobilitäts- und Logistikkonzepte
  • die Integration bestehender Infrastrukturelemente im öffentlichen Raum in digitale technische Lösungskonzepte sowie
  • neue nachhaltige Geschäftsmodelle für den Betrieb intelligenter Infrastrukturen.

Zur Infrastruktur im Stadtgebiet Darmstadt gehören unter anderem Umweltmessstationen, die Aussagen über die Qualität der Luft am Messstandort generieren sowie Säulen mit Geräten zur Geschwindigkeitsmessung und zur Erfassung der Geschwindigkeit am Messstandort. VITRONIC setzt  aktuell gemeinsam mit angehenden Wirtschaftsingenieuren der Hochschule Darmstadt/ University of Applied Sciences eine Fallstudie zum Thema „Nachhaltiges Verkehrsraummanagement“ um. Die Idee ist, hierbei die vorhandenen POLISCAN-Geschwindigkeitsmesssäulen im Stadtgebiet Darmstadt einzubinden, um die entsprechenden Umgebungsparameter zu erheben.

Mehr als nur Geschwindigkeitsmessung

VITRONICS Anstrengungen zielen darauf, ein nachhaltiges Verkehrsraummanagement zu realisieren, das den Verkehrsfluss im Stadtgebiet verbessert, Lärm und Luftschadstoffe verringert und somit die Lebensqualität verbessert. Bei dem Projekt geht es darum herauszufinden, in wie weit bereits existierende Infrastrukturelemente durch eine leicht veränderte Nutzung oder ergänzende Maßnahmen (z.B. Schnittstellenanpassung bzgl. Informationsinhalt) dazu beitragen können, die benannten SDG-Ziele zu unterstützen. Im Fokus steht die Gewinnung und Nutzung von Verkehrsdaten an den Standorten zur Geschwindigkeitsmessung in allgemeiner anonymisierter Form zur Verkehrssteuerung sowie die Verknüpfung der Daten z.B. mit den Umweltmessdaten.

Das Forschungsprojekt wird dazu beitragen, die Potenziale von Lösungen zur Verkehrsüberwachung über die Erhebung und Analyse von Verkehrsdaten hinaus zu heben. In diesem Kontext schaffen sie durch die Einbindung von zusätzlichen Schnittstellen und Sensoren einen schnell zu erreichenden Mehrwert, der in Zukunft und bei größerer Verbreitung noch höher ausfallen kann. Dadurch, dass die Infrastruktur im Stadtbild bereits vorhanden ist kann sie, ähnlich anderer Elemente wie Straßenlaternen, perspektivisch beispielsweise auch als WLAN-Hotspot genutzt werden. Wichtige Voraussetzungen zum Betrieb wie eine Stromversorgung sind bereits gegeben.






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