Pressemitteilung Verkehrstechnik

11.07.2018

Lkw besser als ihr Ruf?

Güterverkehr im Fokus des Verkehrssicherheitsreports 2018

Gemäß des aktuellen World Transport Report der Prognos AG wird bis zum Jahr 2040 die Güterverkehrsleistung in den zwölf größten Staaten der Europäischen Union  von heute knapp zwei auf dann 2,7 Billionen Tonnenkilometer ansteigen. Für die USA wird ein Wachstum von acht auf zehn Billionen Tonnenkilometern vorausgesagt und  für China sogar von 15 auf 27 Billionen. Der wichtigste Verkehrsträger bleibt mit großem Abstand der Straßengüterverkehr. Gleichzeitig kann man das Gefühl bekommen, dass Lastkraftwagen überproportional oft an Unfällen beteiligt sind. Die Diskussion in den Medien beispielsweise dreht sich aktuell sehr stark um die Wirksamkeit und verpflichtende Nutzung von Fahrassistenzsystemen wie Abbiegeassistenten und Notbremssystemen. Vor allem die vermehrte Berichterstattung über tödliche Unfälle mit Radfahrern beim Rechtsabbiegen werfen Fragestellungen auf. Der Verkehrssicherheitsreport 2018 der Dekra widmet sich daher in diesem Jahr explizit dem Güterverkehr. Einige prägnante Erkenntnisse möchten wir hier vorstellen.

Unfälle mit Lkw enden öfter tödlich

Betrachtet man den Anstieg des Güterverkehrs auf der Straße  und die unterschiedlichen Zukunftsperspektiven, so erkennen wir eine Vielzahl von Herausforderungen für die Verkehrssicherheit. Denn durch die Vermehrung der Fahrleistung, vor allem von schweren Nutzfahrzeugen, steigt sowohl die Wahrscheinlichkeit für den Einzelnen, Opfer eines Unfalls zu werden, als auch die Relevanz für das Unfallgeschehen insgesamt. Die allgemeine Tendenz ist trotzdem erst einmal positiv, denn über die gesamte EU hinweg ist die Anzahl von bei Nutzfahrzeugunfällen getöteten Verkehrsteilnehmern in den vergangenen Jahren signifikant gesunken. Waren 2006 noch 7.233 Verkehrstote zu beklagen, ist diese Zahl bis 2015 laut den jüngsten Zahlen der EU-Kommission um fast 50 Prozent auf 3.848 abgesunken. Allerdings muss man festhalten, dass es sich immer dann überproportional häufig um Unfälle mit Getöteten handelt, wenn Güterkraftahrzeuge an Unfällen mit Personenschaden beteiligt sind. Dies liegt unter anderem an der im Vergleich zu den anderen Verkehrsteilnehmern größeren Masse der Güterkraftfahrzeuge.

Unterschiedlichste Unfallursachen

Häufigste Unfallgegner der Lkw sind Pkw. Dies spiegelt sich 2015 auch in 1.908 getöteten Pkw-Insassen bei Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen wider. 15 Prozent der Getöteten bei diesen Unfällen waren Fußgänger, 13 Prozent Insassen von Güterkraftfahrzeugen selbst. 55 Prozent der bei solchen Unfällen Getöteten kamen auf Landstraßen ums Leben, 25 Prozent innerorts und 19 Prozent auf Autobahnen. Der Anteil der außerorts tödlich verletzten Insassen schwerer Güterkraftfahrzeuge betrug 2015 in der EU 86 Prozent und war somit deutlich höher als bei den anderen Verkehrsteilnehmern. Bei den Unfallursachen lässt sich feststellen, dass das Abkommen von der Fahrspur, der Aufprall auf einen vorausfahrenden Lkw, der Frontalzusammenstoß mit einem entgegenkommenden Pkw, der seitliche Zusammenstoß mit einem Pkw und der Zusammenstoß mit einem Fußgänger oder Radfahrer für bis zu 62 Prozent aller Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten verantwortlich sind.

Interessante Aufschlüsse über die wesentlichen Unfallursachen unter Beteiligung schwerer Lkw in der EU gibt auch die bereits 2007 veröffentlichte, aber nach wie vor aussagefähige ETAC-Studie. Sie besagt, dass 27 Prozent der Unfälle Kreuzungsunfälle sind, etwa 21 Prozent Auffahrunfälle, 20 Prozent Unfälle durch Abkommen von der Fahrbahn und knapp über 11 Prozent Unfälle durch Überholmanöver. Bei den Kreuzungsunfällen dominieren als Auslöser in erster Linie Missachtung der Vorfahrt und nicht angepasste Geschwindigkeit, bei den Auffahrunfällen nicht angepasste Geschwindigkeit und ungenügender Abstand, bei den Unfällen durch Abkommen von der Fahrspur nicht angepasste Geschwindigkeit und Übermüdung, bei den Unfällen durch Überholmanöver Unachtsamkeit sowie Übermüdung.

Nicht angepasste Geschwindigkeit ist oft ein Thema

Die häufigsten Fehlverhalten, die den Fahrern von Güterkraftfahrzeugen angelastet wurden, waren Abstandsfehler mit rund 20 Prozent, gefolgt von Fehlern beim „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ mit 16,8 Prozent, Vorfahrt-/Vorrangfehlern mit 11,2 Prozent sowie „nicht angepasster Geschwindigkeit“ mit 10,4 Prozent. Vor dem Hintergrund des starken Anstiegs des Güterverkehrs bildet die Tatsache, dass die Behörden schon heute 430 Baustellenprojekte alleine auf Autobahnen melden, einen perfekten Sturm. Besondere Probleme bestehen nämlich innerhalb von Autobahnbaustellen an Überleitungen und Verschwenkungen sowie an Behelfs-Anschlussstellen. Hier kommt es bis zu sechs Mal häufiger zu Unfällen als auf Autobahnabschnitten ohne Baustellen. Das Ende von Baustellen mit Verschwenkung und Aufhebung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit erweist sich ebenfalls als besonders unfallauffällig.

Umso wichtiger ist es, dass die Geschwindigkeit innerhalb von Baustellen eingehalten wird! Technologie wie der ENFORCEMENT TRAILER von VITRONIC kann hier Teil der Lösung für mehr Verkehrssicherheit sein.



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