Pressemitteilung Verkehrstechnik

09.05.2018

Je später der Abend, desto schneller die Gäste

Langzeitstudie der UDV: Zusammenhang Tageszeit und Überschreitung der Geschwindigkeit

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat im Jahr 2017 ihre Serie von Geschwindigkeitsmessungen in den vier deutschen Millionenstädten abgeschlossen. Die Ergebnisse wurden jüngst im Rahmen des Jahresberichts 2017 veröffentlicht. Nach Stationen in Berlin, Köln und München wurde das Geschwindigkeitsverhalten in Hamburg untersucht. Im Verlauf der Studienreihe wurden  die Ge¬schwindigkeiten von über einer halben Million Fahrzeuge aufgenommen und ausgewertet. Die verdeckten Erfassungen fanden jeweils 24 Stunden lang an insgesamt 43 Straßenabschnitten statt. Gemessen wurde im Stadtgebiet auf Straßen mit Tempo 50 auf Abschnitten mit geringeren zulässigen Geschwindigkeiten.

Festzuhalten ist in diesem Kontext, dass sich zumindest die meisten Fahrer bei Tempo 50 an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit hielten. Jedoch ließen sich bereits bei Tempo 30 und vor allem in den Nachtstunden andere Beobachtungen machen. Auch auf Tempo 50-Straßen fuhren zahlreiche Fahrzeuglenker viel zu rasant und gefährdeten auf diese Weise die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer.

Die Ergebnisse im Detail
Von insgesamt fast 513.000 in Hamburg erfassten Fahrzeugen waren mehr als 109.000 mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs. Auf Straßen mit einem Tempolimit von 50 km/h fuhr beinahe jeder fünfte Fahrer schneller als 55 km/h (18,3 Prozent). Was in jeder der vier Millionenstädte zu beobachten war, war in Hamburg besonders auffällig: Vor allem in der Nacht fahren die Menschen eindeutig zu schnell.

Während in Hamburg tagsüber bei einer Maximalgeschwindigkeit von 50 km/h etwa fünf Prozent der Fahrer schneller als 60 km/h fuhren, lag diese Relation nachts bei 22 Prozent. In Hamburg und München fielen besonders Motorradfahrer negativ auf. Auf Straßen mit Tempo 50 war der Anteil der Motorradfahrer, die mit mehr als 80 km/h unterwegs waren, sieben- bis zehnmal höher als der von Autofahrern. Auch wurden häufige Geschwindigkeitsüberschreitungen vor allem auf Strecken mit geringeren zulässigen Höchstgeschwindigkeiten offenkundig. Mehr als 50 Prozent der Fahrer bewegte sich auf den Hamburger Tempo-30-Abschnitten mit mehr als 35 km/h.

Das traurige Spitzentempo in den Tempo-30-Zonen in Hamburg lag bei sage und schreibe 107 km/h. Es wundert nicht, dass auch die  Schrittgeschwindigkeit in verkehrsberuhigten Bereichen wie Spielstraßen in allen vier Städten fast nie eingehalten wurde. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass je weniger Verkehr unterwegs war, desto höher waren die erfassten Geschwindigkeiten. So fuhren die Kraftfahrer immer dann schneller, wenn sie nicht durch vorausfahrende Fahrzeuge aus gebremst wurden.

Vier Jahre, vier Städte: eine ernüchternde Bilanz
Vier Jahre Geschwindigkeitsmessung sprechen eine eindeutige Sprache: Bei amtlichen Geschwindigkeitskontrollen wären an den insgesamt 192 erfassten Straßen beeindruckende Werte zustande gekommen. So wären in den vier Städten etwa sechs Millionen Euro Bußgeld, über 9.000 Punkte in Flensburg und beinahe 1.600 Monate Fahrverbot, das entspricht mehr als 133 Jahren, fällig gewesen. Die Schnellfahrer hatten natürlich Glück, denn die Geschwindigkeitsmessungen der UDV fanden komplett anonym und ausschließlich zu Forschungszwecken statt. Eine Erkenntnis lautet, dass im Gegensatz zu sporadischen Einzelmessungen kontinuierliche Geschwindigkeitsüberwachung Wirkung zeigt.

So gab es im näheren Umfeld einer stationären Geschwindigkeitsmessung in Hamburg lediglich halb so viele Überschreitungen wie auf vergleichbaren Streckenabschnitten ohne Messung. Bereits im Jahr 2016 konnte in München aufgezeigt werden, dass vereinzelte Kontrollen keinen langfristigen Effekt  haben. Ein grundsätzlicher Handlungsbedarf lässt sich auf jeden Fall erkennen, denn Überschreitungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit waren überall und permanent festzustellen.

Besonders in Hamburg und München war zu sehen, dass geringfügige Überschreitungen der Geschwindigkeit anscheinend gesellschaftlich toleriert werden. In diesem Kontext wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit scheinbar als Mindestgeschwindigkeit angesehen. Besonders problematisch für die Verkehrssicherheit sind hier die signifikanten Überschreitungen und Geschwindigkeiten, die nicht der aktuellen Verkehrslage und Situation angepasst sind. Dass sich die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer an die Tempolimits gehalten haben, ist hierbei nur ein kleiner Trost.

Die Studienautoren sprechen sich dafür aus, die Geschwindigkeiten permanent zu überwachen, denn angepasste Fahrweise könne nur über einen konstanten Kontrolldruck erreicht werden. Dieses gelte vor allem an Stellen, wo sich viele Fußgänger aufhalten und insbesondere für entsprechend sensible Bereiche wie Kindergärten, Schulen, Altenheime oder dergleichen. VITRONIC stimmt dieser Haltung zu und informiert Sie hier über aktuelle Entwicklungen in der Verkehrstechnologie.



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